Tabuthema Tod

Des Menschen Seele gleicht dem Wasser. Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es, und wieder nieder zur Erde muss es, ewig wechselnd.  (J.W. von Goethe)

Sterben ist neben der Geburt der natürlichste Vorgang unseres Lebens. In der Natur ist es ebenso selbstverständlich, dass eine Blüte welkt und eine neue im Frühjahr aufblüht. Tag und Nacht gehört ebenso zu unseren Leben wie Eben und Flut, viele Zyklen wechseln sich im Laufe der Zeit ab, alles ist im Wandel.


Die Auseinandersetzung mit dem Tod fing für mich in meiner frühen Kindheit an. Mit 5 Jahren nahm ich an der ersten Beerdigung in mein Umfeld teil. Meine Großmutter fand es überhaupt nicht lustig, dass mich meine Mutter mit einer sehr natürlichen Selbstverständlichkeit auf die Beerdigung von meiner Großtante mitgenommen hatte. Damals verstand ich nicht wirklich, was die „Endgültigkeit des Todes“ bedeutet.
Später, als Teenager habe ich oft in Zeitungen in die Todesanzeigen gestöbert. Viele Texte und Abschied Verse berührten mich zutiefst. Gleichzeitig hat es mich sehr fasziniert, wie viel Hoffnung, Schmerz und Sehnsucht in solche Anzeigen steckt. Sehnsucht nach Menschen, die nicht mehr unter uns sind. „Kind, das macht man nicht!“ sagte oft meine Oma zu mir und mit bestimmender Geste nahm mir die Zeitung weg.
Opa Toni starb als nächstes in der Familie. Es wurde mir allmählich immer bewusster: „das Leben ist begrenzt“.


Im Laufe des Lebens denken wir über viele Dinge nach, nur über den Tod und Sterben wird in unserer Welt immer noch viel zu wenig nachgedacht. Es wird schlichtweg verdrängt, dass wir irgendwann sterben werden.
Wenn wir uns bewusst machen, dass das Leben hier in dieser Welt endlich ist, selbst auch dann, wenn wir vielleicht erst mit 120 sterben, geht es irgendwann mal nicht um die Frage, ob, sondern darum, wie wir sterben.


Über den Tod befragte Menschen, wünschen sich meist einen einfachen, schmerzfreien, leidlosen und angstlosen Tod. Im Sterben möchte kaum jemand fremdbestimmt werden, denn der eigene Tod wird von dem meisten als eine sehr persönliche Angelegenheit empfunden.
Haben Sie sich schon mal die Frage gestellt, wie es ist eigentlich „tot zu sein“? Wir finden mit unserem Verstand möglicherweise keine Antwort auf diese Frage. Vielleicht deshalb, weil „tot zu sein“ eine Sache der Wahrnehmung ist? Wer weiß. Wenn man allerdings einmal diese Frage zulässt, fühlt man sich lebendiger als je zuvor.


Eine bewusste Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens hilft uns den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren. So kann uns gelingen den Tod als einen natürlichen Prozess, das zu unseren Leben hier gehört zu begreifen und das Leben mehr lieben zu lernen.


Vielleicht passend dazu das Sprichwort: „Lebe jeden Moment, als wäre es der Letzte!“

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